Der Lidl-Fleischskandal – von Strafanzeigen bis zur Facebook-Gruppe eines Fleischunternehmens (Teil 3)

Im Herbst 2023 wusste ich noch nicht, was tatsächlich passiert war.

Der Lidl-Fleischskandal in Ungarn wurde Anfang September 2023 öffentlich bekannt. In dieser Zeit entstand auch jene Tonaufnahme, in der mein Mann ein deutsches Fleischunternehmen mit politischen Verbindungen in Zusammenhang brachte. Ich versuchte gleichzeitig, die Ereignisse von außen zu verstehen – und das zu verarbeiten, was währenddessen in meinem eigenen Leben geschah, während ich in einem Zustand ständiger Bedrohung lebte. Zum Zeitpunkt meiner Anzeige im Oktober hatte ich noch kein umfassendes Bild über die Lieferketten der Fleischindustrie, über politische Verflechtungen oder über deren mögliche Konsequenzen.

Damals tat ich lediglich das, was ich als verantwortungsbewusste Person tun konnte: ich schrieb meine Erfahrungen auf, übergab den Behörden die Tonaufnahmen, die mir zur Verfügung standen, berichtete über meinen persönlichen Besuch bei der ungarischen Lebensmittelaufsichtsbehörde NÉBIH und bat um eine Untersuchung – insbesondere deshalb, weil ich keinen Zugang zu den Dokumenten hatte, die mit dem Betrieb des Unternehmens zusammenhingen.

Dieser Teil beschreibt, wie der Prozess des Erkennens bei mir begann und welche Fragen sich damals formten – lange bevor die persönlichen Konsequenzen eine unvorhersehbare Richtung nahmen. In diesem Beitrag veröffentliche ich Informationen, die ich den ungarischen und deutschen Behörden übergeben habe – mit minimaler redaktioneller Bearbeitung, aus jenem Material, das ich später im Februar 2024 für die Behörden zusammengestellt habe.

Nachdem dieser Teil der Anzeige fertiggestellt war, verschwand ein erheblicher Teil der Beweise spurlos – sowohl aus dem Internet als auch von meinem eigenen Computer.

Wie gelangte ich zu der Facebook-Gruppe des Fleischunternehmens, die auch auf dem Titelbild zu sehen ist?

Zwischen meinem Mann und mir waren weder unsere Finanzen noch unsere Verträge oder Versicherungen ordentlich geregelt. Wir alle drei – mein Mann, unsere Tochter und ich – haben private Krankenversicherungen. Dahinter steht ebenfalls eine unschöne Geschichte eines Versicherungsbetrugs, der ebenfalls Teil der Anzeige ist und über den ich später noch schreiben werde.

Die Versicherung unserer Tochter läuft zusammen mit der Versicherung meines Mannes in einem gemeinsamen Vertrag.

Die Rechnung für eine medizinische Untersuchung unserer Tochter wurde vom SLK-Klinikum Heilbronn verschickt. Mein Mann bezahlte diese Rechnung – aus Nachlässigkeit oder absichtlich – monatelang nicht.

Nach mehreren Mahnungen erhielten wir schließlich eine Zahlungsaufforderung vom 06.11.2023 mit Zahlungsfrist 16.11.2023, in der bereits auch ein mögliches Gerichtsverfahren erwähnt wurde.

Da die Mahnung auf beide Namen – meinen und den meines Mannes – adressiert war, überwies ich die Rechnung für die Untersuchung unserer Tochter im November. Der Betrag betrug 49,60 Euro.

Rechnung des SLK-Krankenhauses Heilbronn – adressiert an Herr/Frau Szabo, Adresse in Weinsberg
SLK-Klinikum Heilbronn – Rechnung adressiert an Herr/Frau Szabo, Adresse in Weinsberg

Am 03.12.2023 fragte mich mein Mann, während er eine Mahnung der SLK-Kliniken in der Hand hielt, ob ich die 59-Euro-Rechnung unserer Tochter überwiesen hätte. Ich antwortete ihm, dass ich die Rechnung bezahlt hatte – erwähnte jedoch nicht, dass ich mich an einen anderen Betrag erinnerte. Ein paar Stunden später überprüfte ich die Überweisung erneut und stellte fest, dass ich 49,60 Euro überwiesen hatte.

Da ich mit unserer Tochter nur ein einziges Mal zu einer Kontrolluntersuchung im Krankenhaus gewesen war, konnte es keine zwei unterschiedlichen Rechnungen geben. Später fand ich unter unseren Unterlagen die Mahnung, von der mein Mann gesprochen hatte. Auf dieser stand der Betrag 59,11 Euro – jedoch adressiert an:

Peter Endre SZABO
74211 Leingarten
Heilbronner Straße 115

Rechnung des SLK-Krankenhauses Heilbronn – adressiert an Peter Endre Szabo, Adresse in Leingarten
Rechnung des SLK-Krankenhauses Heilbronn – adressiert an Peter Endre Szabo, Adresse in Leingarten

Eine frühere ähnliche Erfahrung

Der Name SZABO überraschte mich sehr, denn ich hatte bereits im Herbst 2021 eine ähnliche Erfahrung gemacht. Damals erfuhr ich zufällig, dass es auch in Heilbronn eine Silcherstraße gibt. Dort, in der Silcherstraße 74, wohnte eine Person mit dem Namen Szabo.

SZABO: Adresse in der Silcherstraße 74, Heilbronn – Baden-Württemberg

SZABO: Adresse in Silcherstr. 74., Heilbronn – Baden-Württemberg

Zu dieser Zeit lebten wir in Weinsberg, Silcherstraße 73. Die beiden Orte liegen etwa 10 km voneinander entfernt.

Damals ging ich zu dieser Adresse. Der Haupteingang war geschlossen. Ein Bewohner kam gerade mit seinem Motorrad nach Hause. Als ich ihm ein Foto meines Mannes zeigte, sagte er, dass mein Mann tatsächlich in diesem Wohnblock wohne – und ließ mich sogar ins Treppenhaus.

Da an vielen Türen keine Namen standen und ich den Namen meines Mannes nicht finden konnte, verließ ich das Gebäude wieder. Ich setzte mich ins Auto und rief weinend meine Geschwister an, weil ich überzeugt war, dass mein Mann auch in Heilbronn eine Wohnung hatte. Seit Januar 2021 hatten wir bereits unsere gemeinsame Firma in Bayern, und mein Mann sollte unter der Woche eigentlich in Bayern sein.

Ich werde niemals den Ausdruck der Angst im Gesicht meines Mannes vergessen, als ich ihm später von diesem Besuch erzählte. Über diese Geschichte berichtete ich bereits 2022 meinem damaligen Anwalt, mehreren Bekannten und später auch in einem Teil meiner Anzeige.

Der Besuch in Leingarten

Im Dezember 2023 fuhr ich auch zu der Adresse in Leingarten. Auf dem Briefkasten standen mehrere Namen – ungarische, rumänische und tschechische.

Briefkasten an der Adresse in Leingarten im Jahr 2023
Briefkasten an der Adresse in Leingarten im Jahr 2023

Ich klingelte, aber niemand öffnete. Daraufhin suchte ich im Internet nach allen Namen, die auf dem Briefkasten standen. Dabei stieß ich auf mehrere merkwürdige Dinge. Besonders drei Namen fielen mir auf: Chindea, Csimadia, Szabo.

Es wirkte fast so, als seien nur die Nachnamen real. Der Name Chindea fiel mir sofort auf, weil ich ihn bereits in zwei anderen Zusammenhängen gesehen hatte, über die ich in meiner Anzeige zu einem völlig anderen Thema geschrieben hatte.

Als ich nach den Begriffen „krisztian – csimadia – leingarten“ suchte, erschien als erstes Ergebnis eine öffentliche Facebook-Gruppe: „Húsipari Munka Külföld-Belföld“ = Fleischindustrie-Jobs im In- und Ausland (https://www.facebook.com/groups/358288758275946/).

Die korrekte Schreibweise dürfte wahrscheinlich Csizmadia sein – so wie es auch von Google korrigiert wurde.

Bis zur Facebook-Gruppe eines Fleischunternehmens:  Google-Suchergebnisse zu einem Namen mit Bezug zur Adresse in Leingarten
Google-Suchergebnisse zu einem Namen mit Bezug zur Adresse in Leingarten

Eine merkwürdige Entdeckung

Heute erscheint dieses Suchergebnis nicht mehr. Das ist bemerkenswert, denn es handelte sich nicht um einen Zufall. Auf diese Weise fand ich „zufällig“ eine öffentliche Facebook-Gruppe eines Fleischunternehmens.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich bereits vom Lidl-Fleischskandal, der in Ungarn und auch in anderen Ländern ausgebrochen war. Außerdem verfügte ich bereits über eine Tonaufnahme eines Gesprächs mit meinem Mann, in der er das deutsche Fleischunternehmen, das im Skandal erwähnt wurde, direkt mit politischen Beziehungen in Verbindung brachte.

Die beglaubigte Transkription dieser Tonaufnahme habe ich bereits in einem früheren Beitrag veröffentlicht: Was habe ich mit dem Lidl-Fleischskandal zu tun? – Teil 1

Ein weiterer Besuch im Jahr 2024

Am 29.06.2024 besuchte ich diese Adresse in Leingarten erneut. Zu diesem Zeitpunkt lebte mein Mann bereits offiziell in Bayern. Der Name SZABO war inzwischen vom Briefkasten entfernt worden. Im Hof des Hauses standen drei rumänische Männer, doch keiner von ihnen kannte eine Person mit dem Namen Szabo.

Briefkasten an der Adresse in Leingarten im Jahr 2024 ohne den Namen Szabo
Briefkasten an der Adresse in Leingarten im Jahr 2024 ohne den Namen Szabo

Wie hängt dieser Fleischskandal mit dem Unternehmen zusammen, das mein Mann und ich gemeinsam geführt haben? Darüber schreibe ich in einem weiteren Beitrag dieser Reihe.

Fortsetzung folgt…

Kategorie „Straftaten“ – verschiedene Gesichter desselben Systems

Dieser Beitrag gehört zur Kategorie Straftaten, die Fälle sammelt, in denen persönliche Erfahrungen auf strukturelle Probleme treffen: wirtschaftliche Missstände, institutionelle Versäumnisse, Überwachungspraktiken und industrielle Verflechtungen. Hinter scheinbar getrennten Ereignissen zeigen sich häufig ähnliche Muster. Innerhalb der Kategorie können die einzelnen Themen über verschiedene Tags verfolgt werden:

Lebensmittelindustrie – die Artikelserie zum Lidl-Fleischskandal und verwandte Fälle
Überwachung – digitale und institutionelle Kontrollmechanismen
Pharmaindustrie – medizinische, wissenschaftliche und industrielle Missstände

Ziel ist es, Zusammenhänge sichtbar zu machen: wie sich über individuelle Lebensgeschichten die Funktionsweise eines wesentlich größeren Systems erkennen lässt.